Werkeinführung Odysseus - Szenen aus der Odyssee, Max Bruch, Op. 41

Christine Fischer ( 2002) • 8. Juli 2026

„Wo Rheineswogen dich umrauscht“ – zu Max Bruchs Odysseus

Christine Fischer (2002)


„Was aber sollte ein Komponist [...] tun – begabt, zum Höchsten sich berufen fühlend, und doch erkennen müssend, daß seine Kraft weder die des bekämpften Wagner im Gebiet des Musikdramas noch die des verehrten Brahms auf dem Feld der Sinfonie und Kammermusik sei? Er komponierte Oratorien.“


Diese auf Max Bruch gemünzten Worte des Musikwissenschaftlers Martin Geck geben ein klares Bild der Situation, in der sich der Komponist zu Beginn der 1870er Jahre befand, also bevor er die Vertonung des Odysseus-Stoffes, seines ersten Oratoriums, in Angriff nahm: Er erholte sich nur zögerlich von dem nachhaltigen Mißerfolg, den er bei der Uraufführung seiner Oper Hermione gerade hatte hinnehmen müssen – sein Ziel eine deutsche Nationaloper zu schaffen war damit hinfällig geworden und somit stellte er auch seine Auseinandersetzung mit Wagner zurück, den er in dieser Zeit als genialen Mann beschrieb, „der mit grosser Energie und außerordentlichem Talent nach unzweifelhaft falschen Zielen strebt“.


Max Bruch sollte keine Oper mehr komponieren. Andererseits entfernte er sich zusehends von der Instrumentalmusik, und bei diesem Prozeß spielte die Orientierung an seinem verehrten Vorbild Brahms die entscheidende Rolle. Hatte er 1870 seine erste Sinfonie noch dem Uraufführungsdirigenten Brahms gewidmet, verabschiedete er sich bereits 1887 mit seiner Dritten von diesem Genre. Und ebenfalls 1870 bezeichnete er bereits seine Klaviermusik als „dumm und unbedeutend“. Vor der Übermacht des großen Vorbildes auf sinfonischem und kammermusikalischem Gebiet fühlte sich Bruch überwältigt – noch 1907 formulierte er: „In 50 Jahren wird [Brahms’] Glanz als der des überragendsten Komponisten aller Zeiten hell erstrahlen, während man sich meiner hauptsächlich nur wegen meines g-moll Violinkonzertes erinnern wird... Brahms war aus verschiedenen Gründen ein weit größerer Komponist als ich. [...] Ich halte Brahms für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in den Annalen der Musik.“


Keine Oper, keine Sinfonie, keine Kammermusik, dafür aber Bruchs Erkenntnis – ebenfalls aus dem Jahre 1870:

„Meine Domaine scheinen das Orchester und die große Gesangmusik zu sein.“ Tatsächlich lief alles zielstrebig auf eine Annäherung an die Oratoriengattung hinaus.


Und der Erfolg sollte Bruch bei diesen Erwägungen Recht geben: Odysseus, uraufgeführt 1873 in Barmen eroberte von Beginn an sein Publikum und erfreute sich einer fast schon überwältigenden Zahl von Aufführungen in den ersten Jahren nach seinem Entstehen. Von einer Darbietung des Werks in Krefeld berichtet Bruch:


 „Concert überaus brillant. Chor unübertrefflich, [...] Stimmung unter Ausführenden und Publicum die allerbeste, die größte Begeisterung herrschte oben und unten und machte mir auch diesen Abd. zu einem unvergeßlichen. Drei Lorbeerkränze und ein großer Waschkorb voll Bouquets (die zum Glück nicht alle am Kopf getroffen haben) wurden am Morgen ins Haus gebracht!“


Das Werk sollte den Ruhm Max Bruchs begründen.


Dabei bezeichnete Bruch seinen Odysseus nicht selbst als Oratorium, denn er verband mit diesem Gattungsbegriff zuvorderst geistliche Stoffe. Zunächst spricht der Komponist von „lyrischen Szenen“, schließlich von einer „großen Concert-Cantate“. Der Klavierauszug kommt sogar gänzlich ohne Gattungsbezeichnung aus, hier ist nur von „Szenen aus der Odyssee [...] für Chor, Solostimmen und Orchester“ die Rede. Und ähnlich unkonventionell wie ihre Bezeichnung ist auch die Form des Stückes selbst, nämlich eine lockere Reihung von musikalischen Szenen, die hauptsächlich durch grandiose Kontrastwirkungen besticht. Tatsächlich erweisen sich angesichts der spektakulären Übergänge von Soli zu Chören, von Entsetzen und Angst in der Totenwelt zu unbeschwerter Seefahrt, von sphärischem Sirenengesang zum Seesturm oder von Penelopes Trauer zum pastoralen Frohsinn auf Nausikaa die wenigen musikalischen Elemente, die das Werk vereinheitlichen, wie die Terzmotivik oder das Thema des Heimatchores, geradezu als nebensächlich. Diese mitreißende Wirkung beruht nicht auf inneren Widersprüchen und Kämpfen der Protagonisten, sondern auf einer kontrastierenden Reihung von Naturbeschreibungen, die jeweils den Seelenzustand ihrer Bewohner widerspiegeln.


Einmal mehr unterstreicht Bruch damit, daß er es nicht auf opernhafte Dramatik anlegte: Emotionale Grenzsituationen und deren Effekte sind ihm fremd, es geht ihm um lyrische, atmosphärische Schilderungen. So läßt der Komponist denn auch die in bühnendramatischer Hinsicht „wirksamsten“ Szenen der Homer’schen Vorlage beiseite oder gestaltet sie unkonventionell: Die liebliche Zauberin Calypso selbst tritt dem Zuhörer nie vor Augen und Ohren, die um Penelope werbenden Freier und ihre Ermordung durch Odysseus werden gerade einmal erwähnt und Odysseus und Penelope üben sich bei ihrem Wiedersehen nach jahrelanger Trennung gemeinsam im Gotteslob...


Hochdramatisch im musikalischen Sinne wird es bei Bruch jedoch, sobald Übernatürliches – das eben immer noch am Besten musikalisch zu fassen bleibt – auf den Plan tritt: Seien es das Grauen der Unterwelt, das Betörende der Sirenen oder die Macht der drei „dei bzw. dee ex machina“ Merkur, Leukothea und Athene. Bruch möchte weg vom subjektiv Dramatischen, von den Seelenqualen einzelner Protagonisten, hin zu lyrischen Stimmungsschilderungen, die übermenschliche Ideale vermitteln: „Auf ein Bacchanal der Freier, u. die ganze Abschlachts-Scene, habe ich nach reiflicher Erwägung geglaubt verzichten zu sollen. Denn ich habe ja im ganzen Werk allen Nachdruck auf die lyrischen Momente gelegt, auf das Austönen der Musik; ich glaube, die Ermordung der Freier könnte im Concertsaal nur widerlich, roh, unästhetisch wirken.“


Mit Homers Epos hatte der Komponist für diese künstlerischen Ziele eine geradezu ideale Stoffvorlage gefunden. Nicht nur, daß Bruchs Schilderung von der Faszination des Epos, die ihn 1871 ergriff genau in diese Richtung zielt:


 „Ja, die Odyssee! Die ist ewig; Menschen, Generationen und Reiche vergehen, aber diese Urpoesie des Vater Homer [...] bleibt und wirkt durch die Jahrtausende, und ist geeignet, die Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen Lügen zu strafen.“ „Wenn auch nur ein ganz kleines Theilchen von der ewigen u. beseligenden Kraft der Homerischen Gesänge in diese Musik übergegangen ist, so will ich schon glücklich sein [...] es ist ein Werk des Lebens, – die Entzückungen des Lebens bilden den Inhalt, – und wenngleich es sich nur um menschliche Dinge darin handelt, so sind diese doch die höchsten u. schönsten menschlichen Dinge, die ewig sind“.


Nein auch die Kritik hebt genau auf diesen Punkt der Vertonung des Abstrakt-Idealen ab, wenn beschrieben wird, wie in dem „Bruch’schen Werke zunächst nicht das Persönliche, die individuelle Stimmung und der Wechsel der Schicksale des Helden [fesselt], sondern vor allem das coloristische Element, die musikalische Lichtgestaltung, die Schlagfertigkeit und überzeugende Kraft der beschreibenden, zunächst an die Phantasie appelirenden Tonkunst.“


Ein ganz entscheidendes Mittel zur Umsetzung dieses künstlerischen Konzepts bleibt für Max Bruch der Chor.


 „Sie werden finden, daß sich alles gut singt!“ beruhigt Bruch zwar den Barmener Kapellmeister vor der Uraufführung des Werks durch die dortige Chorvereinigung, aber dennoch: Die Rolle des Chors ist eine äußerst komplexe. An der Funktion im antiken Drama orientiert, übernimmt der Chor erzählende und kommentierende Passagen, ebenso wie er, wenn handlungstragend eingesetzt, virtuos zur atmosphärischen Schilderung dient. Zudem bieten die Chornummern auch eine große satztechnische Variationsbreite: Von rezitativischen Passagen über melodisch-chorale bis hin zu komplizierten Abschnitten mit Ansätzen zur Fugentechnik ist alles vertreten.


Ebenso wie Bruch die Rolle des Erzählers des Epos zu mehr oder minder großem Teil auf den Chor überträgt, geht er auch in anderen Belangen recht frei mit der homerischen Vorlage um: Er verändert Personenkonstellationen und Handlungszusammenhänge, und vor allem: er läßt aus.

Der Handlungsverlauf der Odyssee wird als bekannt beim Hörer vorausgesetzt, der sich anderenfalls hinter den bruchstückhaften Szenen nur eine ungefähre Vorstellung vom Ablauf der Geschehnisse machen kann.


„Schon seit einiger Zeit theilen sich die Barmer Einwohner nur noch in Phäaken und Phäakinnen ein; man spricht nur in Phrasen aus der Od.-Dichtung – scheint Morgens die Sonne in die Fenster, so wird gleich zitirt und gebrüllt: Strahlendes Frührot, willkommen, - haben sich zwei Menschen acht Tage lang nicht gesehen u. begegnen sich auf der Straße, so singen sie sich an: Zehn Jahre fast sind’s, – hat einer seine Zigarrentasche irgendwo liegen gelassen und fragt den Freund danach, so reicht dieser sie ihm mit den Worten: Hier o Hermes. Etc. Etc. Diese Liste ließe sich recht wohl erweitern.“

Nicht nur die Barmer identifizierten sich, wie hier von Bruch beschrieben, vollkommen mit dem Werk, an dessen Uraufführung sie mitwirken oder teilhaben sollten. Auch für den Komponisten selbst wird sein Oratorium zu einem wichtigen Punkt der Selbstdefinition: An ihn knüpft sich sein erster überwältigender Erfolg und derjenige der zahlreichen Werke, die der Komponist in dieser Gattung noch schaffen sollte. Zum ersten Mal erlebte Bruch, wie ein tief empfundenes künstlerisches Konzept von ihm zur eigenen Zufriedenheit umgesetzt und auch vom Publikum honoriert wurde. Wie prägend diese Erfahrung für ihn war, beschreibt nicht zuletzt die Selbststilisierung des Komponisten zum Odysseus, also die Identifkation der eigenen Person mit der Homer’schen (und Bruch’schen) Figur:


„Odysseus der ‚Unzugängliche’, verliebt, verlobt, geliebt“ umschreibt er einem Freund seine gerade herangereiften Heiratspläne und „Odysseus muß ins Joch“ heißt es, wenn sich der Frischverlobte und bisher Freischaffende auf Stellensuche macht, um seine Angebetete ehelichen zu können. Freilich scheint der Zeitsprung von Homer zu Bruch etwas groß um eine solche (sicherlich auch humorvoll gemeinte) Selbstdarstellung plausibel zu machen. Aber das verknüpfende Element zwischen dem Helden des antikem griechischem Epikers (sofern Homer denn wirklich existierte) und dem komponierendem rheinländischem Romantiker war sicherlich die Liebe zur Heimat und ihrer Natur. Bruch findet Gefallen an Homers Epos eben gerade im Umfeld der vertrauten, ihn immer aufs Neue überwältigenden Schönheit der rheinischen Landschaft: „Ich wollte nur, Sie wären hier und könnten mit mir die unglaubliche Schönheit dieses Landes genießen. Ich weiß nicht, wie ich es machen soll, mich von dieser Gegend zu trennen“ schrieb er 1871 aus Rüdesheim an seinen Verleger; und der im Berliner „Exil“ lebende Komponist läßt auch keinen Zweifel daran, daß der zentrale Heimatchor des Werkes, auch auf seine – rheinische – Heimat gemünzt sein könnte: „Im Spätherbst 1871 schrieb ich dort [in Bergisch-Gladbach] die Haupt-Scenen meines Odysseus. In der Scene: „Das Gastmahl bei den Phäaken“ kommt das Lied von der Heimat vor: „Nirgends ist’s lieblicher als in der Heimat“, – und zum ersten Male hörte ich diese Melodie von den Kindern, die am Klavier um mich herumstanden [...] Das habe ich nie vergessen.“


Seinen Zeitgenossen jedenfalls war die Verbindung zwischen Rhein und Hellas offenbar eine sehr natürliche. Davon zeugt nicht zuletzt das Lobgedicht einer anonymen Verfasserin auf den Komponisten des Odysseus:



„Du hast den Griechengeist belauscht

Und ihn mit deutschem Geist besungen

Wo Rheineswogen dich umrauscht

Ist Meeresrauschen dir erklungen.“


Literatur:

Martin Geck, “Max Bruchs weltliche Oratorien”, in: Max Bruch-Studien. Zum 50. Todestag des Komponisten, hrsg. v. Dietrich Kämper (Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte 87), Köln: Arno Volk, 1970, S. 80-88

Matthias Schwarzer, Die Oratorien von Max Bruch. Eine Quellenstudie (Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte 141), Kassel: Merseburger,1988

Christopher Fifield, Max Bruch. Biographie eines Komponisten, Zürich: Schweizer Verlagshaus, 1990

Franco Serpa, „Odysseus di Max Bruch“, in: Musica senza aggettivi. Studi per Fedele d’Amico, hrsg. v. Agostino Ziino (Quaderni della Rivista italiana di musicologia 25), Firenze: Olschki, 1991, S. 379-389


von Silke Schröckhaas 3. Mai 2026
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6. Januar 2026
Konzertreise nach Brno/Brünn in Tschechien Konzerte mit Brahms und Dvorak und (nachdem der erste Versuch Corona zum Opfer gefallen war) die Sea-Symphony von Ralph Vaughan Williams!
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Zwischen Windstille und Aufbruch – Klangbilder des Meeres Das Meer – unendlich, geheimnisvoll, majestätisch. In der Musikgeschichte steht es seit jeher als Symbol für Naturgewalt, Sehnsucht, Gefahr und Fernweh. Zwei Komponisten, zwei Jahrhunderte, zwei völlig unterschiedliche Zugänge – und doch vereint sie die Faszination für das weite Wasser: Ludwig van Beethovens „Meeresstille und glückliche Fahrt“ und Ralph Vaughan Williams’ „A Sea Symphony“ entführen uns in maritime Klangwelten, die gegensätzlicher kaum sein könnten – aber gemeinsam ein eindrucksvolles Panorama zeichnen. Ludwig van Beethoven (1770–1827): Meeresstille und glückliche Fahrt, op. 112, Beethovens kurze Kantate für Chor und Orchester basiert auf zwei Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe – Meeresstille und Glückliche Fahrt – die inhaltlich wie musikalisch ein Kontrastpaar bilden. Im ersten Teil herrscht völlige Windstille: Kein Lüftchen kräuselt das Wasser, das Schiff steht still. Für Seeleute einst ein bedrohlicher Zustand, wird diese Starre von Beethoven mit langen, getragenen Akkorden und einer fast beklemmenden Ruhe umgesetzt. Der Chor singt von „tiefer Stille“, das Orchester verharrt in spannungsvoller Bewegungslosigkeit. Dann aber die Wende: Ein Windstoß, ein Aufatmen, ein Aufbruch. Die Musik bricht in lebhafte Bewegung aus – das Schiff gleitet endlich über das Meer. Beethoven lässt die „glückliche Fahrt“ in schimmernden Klangfarben erstrahlen, das Orchester jubelt förmlich. Die Hoffnung, die Kraft der Natur, das Vorwärtsdrängen – all das bündelt sich in wenigen Minuten Musik. Goethe selbst war von Beethovens Vertonung begeistert. Und bis heute zeigt dieses kurze Werk, wie eindrucksvoll der Wechsel zwischen Stille und Bewegung in Musik übersetzt werden kann. Ralph Vaughan Williams (1872–1958): A Sea Symphony Fast ein Jahrhundert später widmet sich Ralph Vaughan Williams in seiner Sea Symphony dem Meer – doch mit ganz anderen Mitteln und Absichten. Es ist seine erste Sinfonie, uraufgeführt 1910, und gleichzeitig ein visionäres Werk, das sich nicht nur mit dem Ozean beschäftigt, sondern mit der menschlichen Existenz auf und jenseits des Wassers. Die Grundlage bilden Texte des amerikanischen Dichters Walt Whitman, dessen freigeistige, poetische Sprache Vaughan Williams tief beeindruckte. Anders als bei Beethoven steht nicht ein konkretes Naturbild im Zentrum, sondern das Meer als Metapher: für das Leben, die Entdeckung, die Suche nach dem Selbst. Die Sinfonie beginnt imposant – mit Chor, großem Orchester und einem weit ausholenden Ruf: „Behold, the sea itself!“ Schon hier wird klar: Dies ist keine herkömmliche Sinfonie, sondern ein monumentales Chorwerk in vier Sätzen, das Grenzen sprengt. Im ersten Satz (A Song for All Seas, All Ships) wird das Meer zum Sinnbild für Menschheit und Gemeinschaft. Der zweite Satz (On the Beach at Night Alone) ist introspektiv, fast mystisch – ein nächtlicher Monolog an der Küste, getragen vom Bariton-Solo und subtilen Orchesterfarben. Im dritten Satz (The Waves) malt Vaughan Williams ein klangliches Gemälde von tanzenden, schäumenden Wellen – rhythmisch bewegt und voller Energie. Der Finalsatz (The Explorers) öffnet den Blick in die Ferne: auf die Fahrt der Menschheit in unbekannte Welten. Hier geht es nicht mehr um reale Seefahrt, sondern um das Streben nach Erkenntnis und geistiger Freiheit. Die Musik hebt ab, der Chor singt von „untried seas“ – noch unversuchten Meeren – und die Sinfonie endet in einer visionären Apotheose. A Sea Symphony ist ein Werk voller Emotion, Spiritualität und Größe. Vaughan Williams gelingt es, Whitmans universale Gedanken in ein klangliches Erlebnis zu verwandeln, das bis heute tief bewegt. Ein musikalischer Dialog über das Meer Beethoven und Vaughan Williams – zwei Komponisten mit sehr unterschiedlichem musikalischem Vokabular, aber beide vom Meer inspiriert. Während Beethoven eine fast kammermusikalische, klare Miniatur schafft, entfaltet Vaughan Williams eine sinfonische Weltreise. Gemeinsam zeigen sie, wie das Meer in der Musik zum Spiegel menschlicher Erfahrung wird: von der lähmenden Ruhe bis zum euphorischen Aufbruch, von der äußeren Natur zur inneren Suche. Ein Konzert wie eine Fahrt durch Zeit, Raum und Gefühl – mit dem Meer als ständiger Begleiter.
2. Juli 2025
Die deutsch-tschechische Freundschaft stand im Mittelpunkt bei der Programmauswahl für das Sommerkonzert des Stuttgarter Liederkranzes am Sonntag, den 13. Juli 2025 um 18 Uhr in der Leonhardskirche. Mit Dvořáks beliebter Messe in D-Dur sowie Johannes Brahms‘ Schicksalslied und der Tragischen Ouvertüre überzeugten die Ensembles KonzertChor Stuttgart, stuttgart vokal und das SLK-Sinfonieorchester bereits in Stuttgarts Partnerstadt Brünn am 31. Mai 2025. Das Konzert fand im Rahmen des Festivals "Meeting Brno" in der Kathedrale St. Peter und Paul statt. 80 Jahre nach Kriegsende wurde hier u.a. im Rahmen eines Versöhnungsmarsches der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt Brünn gedacht. Am 13. Juli 2025 stehen um 18 Uhr in der Leonhardskirche auf dem Programm unseres Sommerkonzerts: Johannes Brahms | Tragische Ouvertüre und Schicksalslied Antonin Dvořák |Messe D-Dur Brahms war ein Förderer Dvořáks, die beiden waren eng befreundet. Auch das ist symbolisch für die Freundschaft zwischen Deutschen und Tschechen zu verstehen. Außerdem schrieb Friedrich Hölderlin, ein Schwabe, den Text für das Schicksalslied von Johannes Brahms. Ausführende: KonzertChor Stuttgart Sinfonieorchester Stuttgarter Liederkranz In Stuttgart werden die Solopartien von Christine Reber (Sopran), Hanna Roos (Alt), Philipp Nicklaus (Tenor) und Leonhard Geiger (Bass) übernommen. Die Leitung haben Sebastian Kunz und Ulrich Walddörfer Bereits am Sonntag, den 6 .Juli 2025 um 18 Uhr lädt stuttgart vokal zu Liebesliedern „Unter freien Himmeln“ in den Hospitalhof ein. Bei selbst mit gebrachtem Picknick können Sie Liebesliedern aus 6 Jahrhunderten lauschen. Leitung: Sebastian Kunz
von Irina Pohl 14. Oktober 2024
Sommerkonzert in der Leonhardskirche: Ein „klassischer Anpfiff“ mit Beethoven, Haydn und Schubert
von Irina Pohl 1. Januar 2024
Das Jahr 2023 neigt sich dem Ende zu, und es ist an der Zeit, auf die musikalischen Höhep unkte unseres Stuttgarter Chors zurückzublicken. Ein ganz besonderes Jahr, das uns unvergessliche Momente und emotionale Auftritte beschert hat und auf ein ereignisreiches Jahr 2024 blicken lässt. Zu Beginn des Jahres fingen die Proben an, voller Elan haben wir uns auf unsere Konzerte vorbereitet, eine Faschingsfeiern durfte natürlich auch nicht fehlen. Auch unsere Mitgliederversammlung war gut besucht. So schwungvoll sind wir dann in unser Sommerkonzert gestartet. Begleitet vom Sinfonieorchester des Stuttgarter Liederkranz durften wir uns in der Markuskirche in Stuttgart präsentieren. Ein besonderes und emotionales Konzert, da wir uns auch von unserem bisherigen Chorleiter Andreas Großberger verabschieden mussten - „dem wir für sein riesiges Engagement in den letzten Jahren herzlich danken. Die Haydn Messe war ein Ereignis, und Raffs Te Deum stand dem in nichts nach“ - so der Präsident des Stuttgarter Liederkranz Franz X. Wallner. Eine weitere Station auf unserer musikalischen Reise, nun unter neuer künstlerischer Leitung durch Sebastian Kunz, führte uns nach Wien. Die Konzertreise in die österreichische Hauptstadt war nicht nur eine Gelegenheit, unser Repertoire einem internationalen Publikum zu präsentieren, sondern auch eine inspirierende Begegnung mit der reichen musikalischen Geschichte der Stadt der Klassik. Das Verdi Requiem im goldenen Saal, mit dem Wiener Männergesangsverein bleibt zweifelsfrei ein Höhepunkt in unser aller Herzen. Der November hielt schließlich einen weiteren besonderen Moment für uns bereit – der Gegenbesuch unserer Wiener Kollegen in der Liederhalle Stuttgart, bei dem wir ebenfalls das eindrucksvolle Verdi Requiem aufführten. Der Applaus von über 1.000 Zuhörer:innen sprach für sich und wir freuen uns, mit Sebastian Kunz auf die weitere musikalische Reise zu gehen. Unser Dank gilt nicht nur den talentierten Chormitgliedern, sondern auch unserem engagierten Publikum, das uns auf diesem musikalischen Weg begleitet hat. Wer Teil des KonzertChor Stuttgarts werden möchte, kann am 08.01.2024 am Vorsingen teilnehmen! Das Jubiläumsjahr 2024 kann kommen, wir freuen uns auf klangvolle und inspirierende Momente!
von Irina Pohl 11. November 2023
Ehrfürchtige Stille, dann tosender Applaus und Standing Ovation - so endete das Konzert letzte Woche in Wien. In der ehrwürdigen Kulisse des Goldenen Saals in Wien erlebte das Publikum einen unvergesslichen Abend voller Emotionen und musikalischer Brillanz, als der KonzertChor Stuttgart gemeinsam mit dem Konzertchor und Stammchor des Wiener Männergesang-Verein (WMGV), dem Kölner Männer-Gesang-Verein (KMGV), dem KünstlerOrchesterWien und dem Anima Musicae Kammerorchester das Verdi Requiem zum Leben erweckte. Unter der einfühlsamen Leitung des Dirigenten Daniel Cséfalvay entfaltete sich das Werk in seiner ganzen Pracht, von zarten Momenten der Trauer bis hin zu kraftvollen Ausbrüchen der Hoffnung. Die harmonischen Klänge füllten den Goldenen Saal und schufen eine ganz besondere Atmosphäre. „Die Höhepunkte im Konzert für mich waren das ehrfürchtige „Kyrie“, das „Tuba mirum“ mit den Ferntrompeten, das majestätische „Rex tremendae“, das weltumfassende „Agnus Dei“ und die letzten flehenden Worte des „Libera me“ - so der Dirigent. Dank geht natürlich auch an die hervorragenden Solisten Yoora Lee Hoff, Lúcia Megyesi Schwartz, Szerekován János und Nicolas Legoux. Die Begegnung zwischen dem Konzertchor Stuttgart und dem Wiener Publikum war nicht nur ein musikalisches Ereignis, sondern auch ein kultureller Austausch, der die Verbindung zwischen allen vertiefte. Diese kulturelle Brücke wurde durch die begeisterte Reaktion des Wiener Publikums auf die Darbietung des Chors gestärkt. Doch es gilt auch: nach dem Konzert ist vor dem Konzert! Bereits am 19.11.2023 folgt der Gegenbesuch des Wiener Männergesangsverein in Stuttgart und die Liederhalle in Stuttgart wird Schauplatz kultureller Begegnungen. Abermals wird die „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi dargeboten, ein Stück von unvergleichlicher Intensität und emotionaler Tiefe. Der Austausch zwischen dem Wiener Männergesang-Verein und dem KonzertChor Stuttgart wird nicht nur die musikalische Expertise beider Chöre hervorheben, sondern auch die kulturelle Vielfalt und die menschliche Verbundenheit feiern. Und so freuen wir uns auf die kommenden musikalischen Abenteuer und darauf, wie die Klänge der Musik uns weiterhin zusammenbringen, inspirieren und lang anhaltende Erinnerungen schaffen. So gestärkt und ermutigt starten wir in das Jubiläumsjahr - immerhin geht es um 200 Jahre des Stuttgarter Liederkranz 1824 e.V.!
von Irina Pohl 16. Oktober 2023
der Konzertchor Stuttgart unter neuer Leitung und in Vorbereitung auf die nächsten Konzerte
von Irina Pohl 28. September 2023
Der Sommer in Stuttgart mag in diesem Jahr besonders warm gewesen sein, aber er wurde noch ordentlich eingeheizt durch ein außergewöhnliches Konzert, das in der geschichtsträchtigen Markuskirche stattfand. Dieses Konzert wird zweifellos als ein Höhepunkt des Sommers in Erinnerung bleiben, denn es brachte nicht nur Musikliebhaber, sondern auch die lokale Kultur- und Musikszene zusammen. Die Markuskirche Stuttgart, eine architektonische Perle im Herzen der Stadt, bot die ideale Kulisse für dieses musikalische Ereignis. Mit ein paar Minuten Verspätung, aber freudiger Aufregung begann der Abend mit der beeindruckenden „Nelsonmesse“ von Joseph Haydn. Bereits mit den ersten Takten und dem kräftigen „Kyrie“ war das Publikum gefesselt. Die Nelsonmesse von Joseph Haydn ist ein Meisterwerk der Kirchenmusik und wurde an diesem Abend mit erhabener Pracht und Intensität dargeboten. Die Kombination aus dem Konzertchor Stuttgart, den Solisten Christine Reber (Sopran), Julia Werner (Alt), Dennis Marr (Tenor) und Andrew Liefländer (Bass) sowie dem Symphonieorchester des Stuttgarter Liederkranz, unterstützt durch Aushilfen vor allem in den Bläserstimmen, schuf eine mitreißende Atmosphäre, die das Publikum durchgehend in ihren Bann zog. Nach dieser triumphalen Eröffnung folgte Felix Mendelssohn Bartholdy's "Hör mein Bitten". Dieses bewegende Werk berührte die Herzen der Zuhörer und die klaren, zarten Klänge des Chores und der Sopranistin erfüllten die Markuskirche mit einer Aura der Spiritualität. Doch der Höhepunkt des Abends war zweifellos die Württembergische Erstaufführung von Joachim Raff's "Te Deum", das sich schon fast majestätisch in der Akustik der Markuskirche entfalten konnte. Mit seiner eindrucksvollen Orchestration und den ergreifenden Chorpassagen fesselte es das Publikum von Anfang bis Ende. Ein besonderes Highlight war, dass der Verleger des Werkes, Volker Tosta, selbst Mitglied im Konzertchor Stuttgart ist, an dieser Stelle möchten wir ihm noch einmal danken. Die emotionale Tiefe des Konzertes wurde durch die Tatsache verstärkt, dass dies das letzte Konzert unter der Leitung von Andreas Großberger war, der den Konzertchor Stuttgart in der heutigen Form gegründet hat und das Ensemble in den letzten Jahren geleitet hatte. Wir danken Andreas Großberger von ganzem Herzen für seinen Einsatz, sein Herzblut und die ungezwungene Professionalität, sowie Hingabe zum Chor und der Musik. Dieses Sommerkonzert in der Markuskirche Stuttgart war ein unvergesslicher Abend der Musik und Emotionen. Es zeigte die Macht der Musik, Menschen zu verbinden und tiefe Gefühle hervorzurufen. Der Chor, mit seinem Engagement für seltene Werke, bewies erneut, dass Musik eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen kann.
von Irina Pohl 26. September 2023
Ein Ensemble lebt von der Harmonie seiner Mitglieder, der gemeinsamen Leidenschaft für die Kunst und der Fähigkeit, kreativ miteinander zu arbeiten. Wie in jeder Gruppe gibt es auch Veränderungen, die das Gefüge beeinflussen können. Im Juli dieses Jahres war es nun soweit. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedeten wir Noha ElGemayel, die mit Sandra Meyer gemeinsam den Ensemblevorsitz bisher inne hatte. Sie schlägt privat neue Wege ein und hat Stuttgart verlassen. Sie war eine wunderbare Führungspersönlichkeit und hat das Ensemble maßgeblich geprägt. Ihre harte Arbeit und ihre Leidenschaft für die Kunst haben unserem Ensemble zu großem Erfolg verholfen. Der Konzertchor Stuttgart wünscht Noha herzlichst alles Gute für die Zukunft und Ihre Familie, wir haben Sie in der Tutti Probe am 09.07.2023 noch persönlich verabschieden können. Kurz darauf wurde Melanie Mildenberger als Nachfolgerin vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Wir freuen uns sehr über Ihren geschätzten Einsatz, den Sie schon vor der Wahl mehrfach gezeigt hat. Melanie ist nicht nur eine leidenschaftliche Musikerin, sondern auch ein Teamplayer mit einer ausgeprägten Führungsqualität. Ihre Vision für das Ensemble und die Ideen zur Weiterentwicklung haben uns alle überzeugt. Melanie bringt neben der Motivation und neuen Impulsen auch musikalische Erfahrungen mit, Sie war in Ihrer früheren Heimat Würzburg bereits musikalisch engagiert und ist seit dem Umzug nach Stuttgart Teil des KonzertChors Stuttgart. Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit unseren beiden Ensemblevorsitzenden Melanie Mildenberger und Sandra Meyer. Beide werden unseren Chor und dessen Belange innerhalb des Trägervereins Stuttgarter Liederkranz 1824 e.V. gemeinsam mit den Vorsitzenden der weiteren Ensemble (stuttgart vokal, unserem semiprofessionellen Kammerchor, dem Symphonieorchester und dem Ensemble SLK plus) vertreten.
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